Zeit und Geschichte

Wer regierte, wer glaubte was?

Die Zeit, in der „The Chosen“ spielt: Kaiser in Rom, Herodes und seine Söhne, Pilatus und die Hohepriester; Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrte; die Feste im Jahr, die Sprachen der Evangelien und ihre Ereignisse in der überlieferten Reihenfolge.

Illustration (KI)

Herrscher

Rom und die Herodes-Familie

Lukas datiert das Auftreten Johannes’ des Täufers genau: im 15. Jahr des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa und Herodes Tetrarch von Galiläa war (Lk 3,1–2).

HerrscherRolle in den EvangelienBibelstellenDaten
Augustusrömischer Kaiser zur Zeit der Geburt Jesu1Lk 2,1–
Herodes der GroßeKönig von Judäa, als Jesus geboren wirdMt 2,1–19Krone von Rom 40 v. Chr., König in Jerusalem ab 37 v. Chr., gestorben im Frühjahr 4 v. Chr.2
ArchelausSohn des Herodes, herrscht in Judäa; seinetwegen zieht Josef mit Maria und dem Kind nach Galiläa1Mt 2,22–
QuiriniusStatthalter von Syrien bei der ersten Aufzeichnung1Lk 2,2–
Tiberiusrömischer Kaiser; im 15. Jahr seiner Regierung tritt Johannes der Täufer auf1Lk 3,1–
Herodes AntipasSohn des Herodes, Tetrarch von Galiläa; lässt Johannes den Täufer hinrichtenLk 3,1, Mk 6,14–29, Lk 23,6–12baute Tiberias; 39 n. Chr. nach Lyon verbannt2
PhilippusTetrarch von Ituräa und der Trachonitis1Lk 3,1–
LysaniasTetrarch von Abilene1Lk 3,1–
Pontius Pilatusrömischer Statthalter in JudäaLk 3,1, Mt 27,2, Joh 18,28–19,1626–36 n. Chr.3
Hannas und KajaphasHohepriester zur Zeit des öffentlichen Wirkens Jesu4Lk 3,2, Joh 18,13–24, Mt 26,57–
Herodes Agrippa I.König, Enkel Herodes’ des Großen; lässt Jakobus, den Bruder des Johannes, hinrichten1Apg 12,1–2Anfang der vierziger Jahre n. Chr.5

Münzen und Steine aus dieser Zeit

Münzen aus der Zeit Jesu und eine Inschrift mit dem Namen des Pilatus.

Silbermünze mit dem Kopf des Tiberius und einer sitzenden Frauengestalt
Silberdenar des Kaisers Tiberius (14–37 n. Chr.), Vorder- und Rückseite. Foto: Portable Antiquities Scheme, CC BY 2.0, über Wikimedia Commons
Zwei Seiten einer kleinen Bronzemünze mit griechischer Umschrift
Bronzemünze des Pontius Pilatus aus dem Jahr 29/30 n. Chr. Foto: Jack1956 (englische Wikipedia), gemeinfrei, über Wikimedia Commons
Zwei Seiten einer Bronzemünze, auf einer ein Palmzweig
Bronzemünze des Herodes Antipas, geprägt 30 n. Chr. Foto: Classical Numismatic Group, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons
Kalksteinblock mit lateinischer Inschrift, in der der Name des Pilatus steht
Die Pilatus-Inschrift aus Caesarea, heute im Israel-Museum in Jerusalem. Foto: Carole Raddato, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons

Religiöse Gruppen

Wer war wer zur Zeit Jesu?

Wir beschreiben die Gruppen so, wie die Quellen sie zeigen, ohne Vorurteile: Viele ihrer Mitglieder waren fromme Juden, die Gott ernst nahmen.

Pharisäer

Die Pharisäer bildeten sich als Gruppe etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. Ihr Name wird als „die Abgesonderten“ gedeutet. Sie widmeten sich dem Gesetz, lehrten in den Synagogen und hatten großen Einfluss im Volk.6

Der Grundsatz, das Gesetz ganz zu erfüllen, war ihnen teuer; damit weckten sie bei vielen Juden der Zeit Jesu großen religiösen Eifer. Die Beziehungen Jesu zu den Pharisäern waren nicht nur Streit: Pharisäer laden ihn zum Essen ein und warnen ihn vor Herodes. (Lk 7,36, Lk 13,31, Lk 14,1)78

Auch Nikodemus und der Lehrer Gamaliel waren Pharisäer. (Joh 3,1, Apg 5,34)1

Sadduzäer

Die Sadduzäer waren die führende Gruppe der Priester; ihr Name wird auf Zadok zurückgeführt. Die mündlichen Überlieferungen, an denen die Pharisäer festhielten, lehnten sie ab, ebenso die Auferstehung und die Engel. (Mk 12,18, Apg 23,8)9

Ihr Einfluss verschwand, als das jüdische Volk seine staatliche Eigenständigkeit verlor.9

Schriftgelehrte

Schriftgelehrte waren die Ausleger des Gesetzes. Ein Schriftgelehrter fragt Jesus nach dem wichtigsten Gebot und hört, er sei nicht fern vom Reich Gottes. (Mk 12,28–34)10

Zeloten

Das Wort kommt von „Eifer“. Lukas nennt den Apostel Simon den Zeloten; Benedikt XVI. hält es für wahrscheinlich, dass Simon nicht zur nationalistischen Bewegung gehörte, sondern für Gott und das Gesetz eiferte. (Lk 6,15)11

Hohepriester und Hoher Rat

Der Hohe Rat war die oberste Ratsversammlung und das höchste Gericht der Juden; nach der Mischna und Josephus hatte er 71 Mitglieder. In den letzten vierzig Jahren seines Bestehens führte der Hohepriester den Vorsitz; die Versammlung tagte bei den Tempelgebäuden. (Mk 14,55, Joh 11,47)12

Samariter

Juden und Samariter hatten zur Zeit Jesu wenig Umgang miteinander. Gerade einen Samariter stellt Jesus im Gleichnis als Vorbild der Nächstenliebe hin, und ein geheilter Samariter kehrt als Einziger um, um zu danken. (Joh 4,9, Lk 10,25–37, Lk 17,11–19)1

Keine Kollektivschuld

Der Prozess Jesu war geschichtlich verwickelt, und die persönliche Schuld der Hauptbeteiligten kennt allein Gott. Deshalb, so der Katechismus, „darf man nicht die Gesamtheit der Juden von Jerusalem dafür verantwortlich machen“.13

Die Kirche lehrt, dass die Sünder die Urheber der Leiden Christi sind, und schreibt gerade den Christen die schwerste Verantwortung dafür zu.14

Feste

Die Feste im Jahr

Viele Ereignisse der Evangelien spielen an Festtagen: Zum Pascha, zum Laubhüttenfest und zum Tempelweihfest zieht Jesus nach Jerusalem; an Pfingsten empfangen die Jünger den Heiligen Geist.

FestWas die Evangelien erzählenBibelstellen
Pascha und Fest der Ungesäuerten BroteGroßes Fest der Juden. Jesus feiert das Letzte Abendmahl im Lauf des Paschamahles.1516Mk 14,1, Mk 14,12
Pascha bei JohannesJohannes nennt während des Wirkens Jesu drei Paschafeste.1Joh 2,13, Joh 6,4, Joh 11,55
LaubhüttenfestHerbstfest; Jesus zieht nach Jerusalem hinauf und lehrt im Tempel.1Joh 7,2–14, Joh 7,37
TempelweihfestFest im Winter; Jesus geht im Tempel in der Halle Salomos umher.1Joh 10,22–23
PfingstenFest am Ende der sieben Wochen nach Ostern; die Jünger empfangen den Heiligen Geist.17Apg 2,1–4
SabbatJede Woche, von Abend zu Abend: Ruhetag und Versammlung in der Synagoge.1819Lk 4,16, Lk 23,54

Sprache

Aramäisch, Hebräisch, Griechisch, Latein

Die Evangelisten geben einige Worte Jesu und seiner Umgebung auf Aramäisch wieder und übersetzen sie gleich ins Griechische1. Petrus verrät seine Mundart als Galiläer (Mt 26,73); die Inschrift am Kreuz war hebräisch, lateinisch und griechisch geschrieben (Joh 19,20).

Matthäus schrieb nach dem Zeugnis der Alten Kirche zuerst in der Sprache der Hebräer; das Evangelium, das wir haben, ist griechisch20.

WortBedeutungBibelstelle
Talita kumMädchen, steh aufMk 5,41
EffataÖffne dichMk 7,34
AbbaVaterMk 14,36
Eloï, Eloï, lema sabachtani?„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“Mk 15,34
RabbuniMeisterJoh 20,16
KephasFelsJoh 1,42
BoanergesDonnersöhneMk 3,17
GolgotaSchädelhöheMk 15,22
GabbataSteinpflaster, griechisch LithostrotosJoh 19,13
MessiasGesalbter, griechisch ChristusJoh 1,41

Zeitleiste

Die Evangelien in ihrer Reihenfolge

Die Evangelien sind keine vollständige Chronik. Die Reihenfolge folgt der Überlieferung; zu jedem Ereignis die Bibelstellen und der Ort.

  1. Verkündigung an MariaLk 1,26–38 Nazaret
  2. Maria besucht ElisabetLk 1,39–56
  3. Geburt Jesu in BetlehemLk 2,1–7Mt 2,1 Betlehem
  4. Die Hirten an der KrippeLk 2,8–20 Betlehem
  5. Darstellung im TempelLk 2,22–40 Jerusalem
  6. Die SterndeuterMt 2,1–12 Betlehem
  7. Flucht nach Ägypten und Rückkehr nach NazaretMt 2,13–23 Nazaret
  8. Der zwölfjährige Jesus im TempelLk 2,41–52 Jerusalem
  9. Taufe im JordanMk 1,9–11Mt 3,13–17 Betanien jenseits des Jordan
  10. Versuchung in der WüsteMt 4,1–11Lk 4,1–13
  11. Berufung der ersten JüngerJoh 1,35–51Mt 4,18–22 See von Galiläa
  12. Hochzeit zu KanaJoh 2,1–11 Kana
  13. Nikodemus kommt bei NachtJoh 3,1–21 Jerusalem
  14. Die Frau am JakobsbrunnenJoh 4,1–42 Sychar
  15. Ablehnung in NazaretLk 4,16–30 Nazaret
  16. Berufung des Zöllners MatthäusMt 9,9–13 Kafarnaum
  17. Wahl der ZwölfMk 3,13–19Lk 6,12–16
  18. Wirken in Galiläa, BergpredigtMt 4,23–25Mt 5–7 Kafarnaum
  19. Aussendung der ZwölfMk 6,7–13
  20. Tod Johannes’ des TäufersMk 6,17–29
  21. Speisung der FünftausendMk 6,30–44Joh 6,1–15 See von Galiläa
  22. Jesus geht über das WasserMt 14,22–33 See von Galiläa
  23. Bekenntnis des PetrusMt 16,13–20 Cäsarea Philippi
  24. Verklärung auf einem hohen BergMt 17,1–9
  25. Auferweckung des LazarusJoh 11,1–44 Betanien
  26. Salbung in BetanienJoh 12,1–8 Betanien
  27. Einzug in JerusalemMt 21,1–11 Jerusalem
  28. TempelreinigungMk 11,15–19 Jerusalem
  29. Letztes AbendmahlMk 14,12–25 Jerusalem
  30. Gebet in Getsemani und GefangennahmeMk 14,32–52 Jerusalem
  31. Verhör vor dem Hohen Rat und vor PilatusMk 14,53–15,15 Jerusalem
  32. Tod am KreuzMk 15,20–41Joh 19,16–30 Jerusalem
  33. AuferstehungMt 28,1–10Joh 20,1–18 Jerusalem
  34. Die EmmausjüngerLk 24,13–35
  35. Thomas sieht den AuferstandenenJoh 20,24–29 Jerusalem
  36. Erscheinung am See von TiberiasJoh 21,1–19 See von Galiläa
  37. HimmelfahrtLk 24,50–53Apg 1,9–11
  38. PfingstenApg 2,1–13 Jerusalem

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