Alltag und Bräuche

So lebte man zur Zeit Jesu

Fischer am See, der Sabbat, eine Hochzeit, Haus und Familie, Brot, Fisch und Münzen, Gebet, Stunden und Nachtwachen, Hirten, Krankheit und Begräbnis: der Alltag hinter den Szenen von „The Chosen“, wie ihn die Evangelien zeigen.

Illustration (KI)

Fischerei am See

Hölzerner Rumpf eines antiken Fischerboots auf einem Metallgestell im Museum
Ein rund 2000 Jahre altes Boot aus dem See von Galiläa, ausgestellt in Ginosar. Foto: Konrad Summers, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons

Mehrere der Zwölf waren Fischer. Simon arbeitete mit seinem Bruder Andreas und der Familie des Zebedäus zusammen; Zebedäus beschäftigte auch Tagelöhner. (Lk 5,10, Mk 1,20)12

Die Evangelien zeigen die Arbeit genau: Simon und Andreas werfen ihre Netze aus, Jakobus und Johannes richten im Boot die Netze her, gefischt wird oft bei Nacht. (Mk 1,16–19, Lk 5,5, Joh 21,3)2

Beim reichen Fischfang drohen die Netze zu reißen, und die Fischer winken die Gefährten im zweiten Boot herbei. Nach Ostern zählen die Jünger hundertdreiundfünfzig große Fische. (Lk 5,6–7, Joh 21,11)2

Jesus nimmt das Bild auf: Das Himmelreich gleicht einem Netz, das man ins Meer wirft und das Fische aller Art fängt. (Mt 13,47–50)2

Fisch wurde eingesalzen und gehandelt: Magdala war dafür bekannt, antike Quellen nennen den Ort Tarichea, nach dem griechischen Wort für gesalzenen Fisch. Ausgrabungen zeigen dort Becken zur Fischverarbeitung, Lagerhäuser und einen Hafen.3

Der Sabbat

„Das dritte Gebot des Dekalogs betont die Heiligkeit des Sabbat.“ Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche und wird von Abend zu Abend gerechnet. (Ex 20,8–11)45

Am Sabbat versammelt man sich in der Synagoge: Man liest aus dem Gesetz und den Propheten, danach kann ein Lehrer das Wort ergreifen. So lehrt auch Jesus in Nazaret und Kafarnaum. (Lk 4,16–21, Mk 1,21)6

Die Evangelien berichten von vielen Streitgesprächen, weil man Jesus vorwirft, das Sabbatgebot zu verletzen. Jesus sagt, der Sabbat sei für den Menschen da. (Mk 2,23–28, Mk 3,1–6, Lk 13,10–17)7

Hochzeit

Bei der Hochzeit in Kana sind Jesus, seine Mutter und seine Jünger eingeladen. Als der Wein ausgeht, lässt Jesus sechs steinerne Wasserkrüge füllen, die für die Reinigungsvorschriften bereitstanden. (Joh 2,1–11)2

Jesus erzählt Gleichnisse vom Hochzeitsmahl des Königssohns und von den zehn Jungfrauen, die mit ihren Lampen auf den Bräutigam warten. (Mt 22,1–14, Mt 25,1–13)8

In Kafr Kanna, wo die Überlieferung Kana sucht, erneuern Ehepaare jedes Jahr ihr Eheversprechen.9

Die Kirche sieht in der Teilnahme Jesu an der Hochzeit von Kana die Bestätigung, dass die Ehe etwas Gutes ist. (Joh 2,1–11)10

Haus und Familie

Drei kleine Öllampen aus rötlichem Ton an einer Museumswand
Öllampen aus Ton, links hellenistische, rechts eine herodianische. Foto: Gary Todd, CC0, über Wikimedia Commons

In Kafarnaum lebte Simon mit seiner Familie; im Haus des Simon und Andreas heilt Jesus die Schwiegermutter. (Mk 1,29–31)1

Für den Gelähmten decken seine Freunde das Dach ab und lassen ihn auf einer Trage hinunter. (Mk 2,1–4, Lk 5,19)2

Ausgrabungen in Kafarnaum zeigen Häuser und Werkstätten aus Basalt; Fischer, Händler, Handwerker und Bauern lebten hier.11

Eine Lampe stellt man auf den Leuchter, damit sie allen im Haus leuchtet, sagt Jesus in der Bergpredigt. (Mt 5,15)2

Brot und Fisch

Kegelförmiger Mühlstein aus schwarzem Basalt zwischen Steinen
Unterer Mühlstein einer Getreidemühle aus römischer Zeit in Kafarnaum. Foto: Ian Scott, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons

Bei der Speisung der Fünftausend sind fünf Gerstenbrote und zwei Fische da. (Joh 6,9, Mk 6,38)2

Am See bereitet der Auferstandene den Jüngern ein Kohlenfeuer mit Fisch und Brot. (Joh 21,9–13)2

Das Letzte Abendmahl feiert Jesus mit den Aposteln im Lauf des Paschamahles. (Mk 14,12–25)12

Nach der Lehre der Kirche weisen die Brotvermehrungen auf die Eucharistie voraus: Jesus spricht den Lobpreis, bricht die Brote und lässt sie durch die Jünger austeilen. (Mt 14,13–21, Mt 15,32–39)13

In Tabgha, wo die Überlieferung die Brotvermehrung verehrt, zeigen alte Mosaiken Brote und Fische.14

Geld und Arbeit

Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist ein Denar der Lohn für einen Arbeitstag. (Mt 20,1–16)2

Auf der Steuermünze, dem Denar, sind Bild und Aufschrift des Kaisers. Jesus antwortet: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört. (Mt 22,15–22)2

Eine arme Witwe wirft zwei kleine Münzen in den Opferkasten des Tempels; Jesus sagt, sie habe mehr gegeben als alle anderen. (Mk 12,41–44)2

Zöllner trieben Zölle und Steuern im Auftrag der Herrschenden ein; viele Landsleute zählten sie zu den Sündern. (Mt 9,10–11, Lk 19,2)15

MünzeWo sie vorkommtBibelstellen
DenarSilbermünze; Tageslohn eines Arbeiters im Gleichnis vom WeinbergMt 20,2, Mt 22,19
DoppeldrachmeBetrag der Tempelsteuer, nach der Petrus gefragt wirdMt 17,24
TalenteGeldbetrag im Gleichnis von den anvertrauten Talenten; ein Knecht schuldet zehntausend TalenteMt 25,14–30, Mt 18,24
StaterMünze, die Petrus im Maul eines Fisches findet, für Jesus und für sichMt 17,27
Silberstückedreißig Silberstücke erhält Judas für den VerratMt 26,15
kleine Münzenzwei kleine Münzen der armen Witwe im TempelMk 12,42

Beten

Jesus lernt beten wie sein Volk: mit den Worten und Formen, mit denen man in der Synagoge von Nazaret und im Tempel betet.16

Oft zieht er sich zum Beten zurück, früh am Morgen an einen einsamen Ort oder eine ganze Nacht auf einen Berg. Lukas zeigt ihn betend vor der Taufe, vor der Wahl der Zwölf, vor dem Bekenntnis des Petrus und vor der Verklärung. (Mk 1,35, Lk 3,21, Lk 6,12, Lk 9,18, Lk 9,28)17

Als die Jünger ihn bitten, sie beten zu lehren, gibt er ihnen das Vaterunser: Lukas überliefert eine kurze Fassung mit fünf Bitten, Matthäus eine längere mit sieben. Die Liturgie der Kirche betet die Fassung des Matthäus. (Lk 11,1–4, Mt 6,9–13)18

Nach dem wichtigsten Gebot gefragt, nennt Jesus das Bekenntnis „Höre, Israel“ aus dem Buch Deuteronomium: Gott lieben mit ganzem Herzen, dazu den Nächsten wie sich selbst. (Mk 12,28–31, Dtn 6,4–5)2

Der Tempel sollte für das Volk Gottes der Ort sein, an dem es beten lernt: mit Wallfahrten, Festen und Opfern. Petrus und Johannes gehen zur Gebetszeit um die neunte Stunde hinauf. (Apg 3,1)19

Stunden und Nachtwachen

Der Tag hat zwölf Stunden, sagt Jesus. Im Gleichnis vom Weinberg wirbt der Gutsherr Arbeiter am frühen Morgen und dann zur dritten, sechsten, neunten und elften Stunde an. (Joh 11,9, Mt 20,1–7)2

Markus nennt die Stunden der Kreuzigung: die dritte Stunde, dann eine Finsternis von der sechsten bis zur neunten Stunde. (Mk 15,25, Mk 15,33–34)2

Die Nacht teilte man in Wachen. In der vierten Nachtwache kommt Jesus über den See zu den Jüngern; im Gleichnis vom Türhüter nennt er Abend, Mitternacht, Hahnenschrei und Morgen. (Mk 6,48, Mk 13,35)2

Der Sabbat beginnt am Abend. Deshalb wird Jesus noch am Rüsttag begraben, dem Tag vor dem Sabbat. (Mk 15,42, Lk 23,54)5

Hirten und Herden

Nachts hüten Hirten bei Betlehem ihre Herde, als ihnen der Engel die Geburt des Retters verkündet. (Lk 2,8–11)20

Im Gleichnis lässt der Hirt die neunundneunzig Schafe zurück und sucht das eine verlorene, bis er es findet. (Lk 15,4–7)2

Als Jesus die vielen Menschen sieht, hat er Mitleid mit ihnen, denn sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. (Mk 6,34)2

Jesus nennt sich den guten Hirten, der seine Schafe kennt und sein Leben für sie hingibt. Der Katechismus nimmt das Bild auf: Die Kirche ist der Schafstall, dessen einzige Tür Christus ist. (Joh 10,1–15)21

Krankheit und Heilung

Ein Aussätziger bittet Jesus, ihn rein zu machen, wenn er will. Jesus berührt ihn und schickt ihn zum Priester, damit er das Opfer bringt, das Mose angeordnet hat. (Mk 1,40–44, Lev 14,2–32)2

Zehn Aussätzige bleiben in der Ferne stehen und rufen um Erbarmen; nur einer, ein Samariter, kehrt zurück, um zu danken. (Lk 17,11–19)2

Oft verlangt Jesus von den Kranken, dass sie glauben. Er heilt durch Handauflegung, mit Speichel oder mit einem Teig aus Erde; die Kranken suchen, ihn zu berühren. (Mk 5,34, Mk 7,32–36, Joh 9,6–7)22

Seine Heilungen zeigen, dass Gott sich seines Volkes angenommen hat. Jesus heilt nicht nur, er vergibt auch Sünden. (Lk 7,16, Mk 2,5–12)23

In Jerusalem heilt Jesus am Teich Betesda einen Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank ist. (Joh 5,1–9)2

Tod und Begräbnis

Lazarus liegt schon vier Tage im Grab, als Jesus nach Betanien kommt; das Grab ist eine Höhle, vor der ein Stein liegt. (Joh 11,17, Joh 11,38)2

Josef von Arimathäa legt den Leichnam Jesu in ein neues Grab, das in einen Felsen gehauen ist, und wälzt einen Stein vor den Eingang. (Mt 27,59–60, Mk 15,46)2

Nikodemus bringt etwa hundert Pfund Myrrhe und Aloe; sie umwickeln den Leichnam mit Leinenbinden, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. (Joh 19,39–40)24

Nach dem Sabbat kaufen die Frauen wohlriechende Öle, um den Leichnam zu salben. (Mk 16,1)2

Ausgrabungen bei der Grabeskirche zeigen einen alten Steinbruch außerhalb der Stadtmauer; in seine Felswände waren Familiengräber gehauen. Auch bei Naïn liegen Gräber, die in den Fels gehauen sind.2526

Quellen

  1. Benedikt XVI., Generalaudienz vom 17. Mai 2006 (Simon Petrus)
  2. Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart: Bibelstellen und Namen nach dieser Ausgabe
  3. Custodia Terrae Sanctae: Magdala
  4. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2168
  5. Catholic Encyclopedia: Sabbath
  6. Catholic Encyclopedia: Synagogue (W. Drum, 1912)
  7. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2173
  8. Catholic Encyclopedia: Parables
  9. Custodia Terrae Sanctae: Cana in Galilee, 20 January 2013
  10. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1613
  11. Custodia Terrae Sanctae (Kustodie des Heiligen Landes): Capernaum, place of the Eucharistic promise
  12. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1340
  13. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1335
  14. Custodia Terrae Sanctae: Tabgha
  15. Catholic Encyclopedia: Publican (J. F. Driscoll, 1911)
  16. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2599
  17. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2600
  18. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2759
  19. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2581
  20. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 437
  21. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 754
  22. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1504
  23. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1503
  24. Catholic Encyclopedia: Nicodemus (J. F. Driscoll, 1911)
  25. Custodia Terrae Sanctae: Basilica of the Holy Sepulchre
  26. Custodia Terrae Sanctae: Nain

Geprüft am 20. und 21. Oktober 2026. Bibelstellen nach der Einheitsübersetzung 2016. Wir geben die Stellen an und fassen sie mit eigenen Worten zusammen; den Wortlaut findest du in jeder Ausgabe der Einheitsübersetzung. Du hast einen Fehler entdeckt? Schreib uns an hallo@bibelhinterderserie.de.

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