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Kafarnaum war zur Zeit Jesu ein Fischerort am Nordwestufer des Sees von Galiläa, an einer Straße nach Damaskus und nahe der Grenze zum Gebiet des Philippus.2 Hier wohnte Jesus im Haus des Petrus, lehrte in der Synagoge und rief seine ersten Jünger.3 Den kurzen Steckbrief des Ortes findest du auf unserer Karte der Orte.
Inhalt
„Seine Stadt“: warum Kafarnaum?
Der Name Kfar Nahum bedeutet „Dorf des Nahum“; wer dieser Nahum war, weiß man nicht. Auf Arabisch hieß die Ruinenstätte Tell Hum.3 Noch 1908 suchten manche Archäologen Kafarnaum anderswo am See5; heute ist die Gleichsetzung mit Tell Hum laut Kustodie unbestritten, unter anderem weil Synagoge und Haus des Petrus zu den Berichten der alten Pilger passen.3
Der Archäologe Stanislao Loffreda OFM erklärt, warum Jesus von Nazaret hierher zog: Nazaret lag abseits in den Bergen, Kafarnaum an einer wichtigen Straße und doch weit genug von Tiberias, der Hauptstadt des Herodes Antipas. Hier lebten Fischer, Bauern, Handwerker, Händler und Zöllner.2
| Was | Zahl | Quelle |
|---|---|---|
| Lage des Ruinenfelds unter dem Meeresspiegel | rund 210 m | 2 |
| Entfernung nach Tabgha, zur Jordanmündung, nach Tiberias | 3 km, 5 km, 16 km | 2 |
| Ruinenfeld heute | rund 7 ha, zwei Drittel gehören der Kustodie | 2 |
| Ausdehnung des antiken Ortes nach den Grabungen | rund 300 m am Ufer, 200 m landeinwärts | 6 |
| Einwohner zur Zeit Jesu | keine Daten; in byzantinischer Zeit höchstens 1.500 | 6 |
| Haus des Petrus bis zur Synagoge | rund 30 m | 3 |
| Raum unter dem Achteck (Haus des Petrus) | Seitenwände ca. 8 m | 6 |
| Gebetssaal der weißen Synagoge | 23 × 17,28 m (Kustodie); 27 × 17 m (Opus Dei) | 36 |
| Münzen unter dem Synagogenboden | über 20.000 (Kustodie); über 30.000 (G. Geiger OFM) | 32 |
| Grabungskampagnen der Franziskaner | 19 (1968–1986) + 4 (2000–2003) = 23 | 3 |
Was die Evangelien in Kafarnaum erzählen
Nach der Kustodie verkündet Jesus in Kafarnaum das Reich Gottes, beruft die ersten Apostel, heilt Kranke und vergibt Sünden.3
| Was die Evangelien erzählen | Bibelstelle |
|---|---|
| Jesus verlässt Nazaret und lässt sich in Kafarnaum am See nieder. | Mt 4,12–17 |
| Am Sabbat lehrt er in der Synagoge und heilt einen Besessenen. | Mk 1,21–28 |
| Im Haus des Simon und Andreas heilt er die Schwiegermutter des Simon; abends drängt sich der ganze Ort vor der Tür. | Mk 1,29–34 |
| Vier Männer decken das Dach ab und lassen einen Gelähmten zu ihm hinunter. | Mk 2,1–12 |
| An der Zollstelle beruft er den Zöllner Levi; das Matthäusevangelium nennt ihn Matthäus. | Mk 2,13–14; Mt 9,9 |
| Er heilt den Diener des Hauptmanns, der die Synagoge gebaut hatte. | Mt 8,5–13; Lk 7,1–10 |
| Er erweckt die Tochter des Synagogenvorstehers Jaïrus; die Kustodie zählt das zu den Wundern von Kafarnaum.3 | Mt 9,18–26; Mk 5,21–43 |
| In der Synagoge hält er die Rede vom Brot des Lebens. | Joh 6,24–59 |
| Er klagt über Kafarnaum, weil es trotz seiner Wunder nicht umkehrte. | Mt 11,20–24 |
Die Rede vom Brot des Lebens hielt Jesus nach Johannes in der Synagoge von Kafarnaum (Joh 6,59). Viele Jünger zogen sich danach zurück; Simon Petrus aber bekannte für die Zwölf, dass Jesus Worte des ewigen Lebens hat (Joh 6,66–69).1 Der Katechismus sagt, diese Worte bereiteten auf die Einsetzung der Eucharistie vor; beim Paschamahl tat Jesus, was er in Kafarnaum angekündigt hatte (KKK 1338–1339).4
Auch der Hauptmann von Kafarnaum lebt in der Liturgie weiter. Die Ältesten sagten, er liebe ihr Volk und habe ihnen die Synagoge gebaut (Lk 7,5). Sein Wort, er sei nicht würdig, dass Jesus unter sein Dach komme (Mt 8,8), machen sich die Gläubigen vor der Kommunion zu eigen.17
Das Haus des Petrus: von der Hauskirche zur Gedächtniskirche
Aus der Synagoge ging Jesus in das Haus des Simon und Andreas (Mk 1,29).1 Hier lebten nach der Kustodie wohl mehrere verwandte Familien, Petrus, Andreas und die Schwiegermutter, mit eigenen Räumen um einen gemeinsamen Hof; der Eingang lag an einem offenen Platz.3 Am 16. April 1968 begann P. Virgilio Corbo OFM mit P. Stanislao Loffreda OFM und Mitbrüdern südlich der Synagoge unter einer byzantinischen Kirche zu graben. Schon nach einer Woche hielten sie bemalte Putzstücke mit Graffiti in den Händen.3
- 1. Jahrhundert vor Christus: Das Haus wird gebaut.2
- Ende des 1. Jahrhunderts: Ein Raum wird zur Hauskirche (domus ecclesiae). Ein unbenutzter Topf, Öllampen aus der Zeit des Herodes und neue Fußböden zeigen, dass er vergrößert und geschmückt wurde.3
- 4. Jahrhundert: Die Hauskirche wird erweitert und mit einer Mauer vom Ort getrennt.3
- 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts: Über dem verehrten Raum entsteht eine achteckige Kirche; ihr Mittelfeld schmückte ein Pfau, Sinnbild der Auferstehung. Ende des Jahrhunderts kam im Osten ein Taufbecken dazu.32
Die Graffiti nennen den Namen und das Monogramm Jesu, Amen und Kyrie eleison; eine syrische Inschrift bezieht sich wohl auf die Eucharistie. Die vielen Sprachen, Griechisch, Syrisch, Aramäisch und Latein, zeigen, dass auch Pilger von weit her kamen.23 Um 380 kam die Pilgerin Egeria. Ihr Bericht, überliefert bei Petrus Diaconus im 12. Jahrhundert: „In Kafarnaum ist das Haus des Apostelfürsten in eine Kirche umgewandelt worden; seine Mauern stehen bis heute, wie sie waren.“32
Die heutige Gedächtniskirche entwarf der Architekt Ildo Avetta: Sie schwebt wie ein Schiffsrumpf über dem Haus, ein Bild für Petrus, der vom Fischer zum Menschenfischer wurde. Kardinal Simon Lourdusamy weihte sie am 29. Juni 1990. P. Corbo starb im Jahr darauf und ist neben dem verehrten Raum begraben.32 Die Kustodie betont, dass die Bestimmung als Haus des Petrus auf Grabungsbefunden und alten Texten zugleich beruht.3
Die weiße Synagoge auf schwarzem Basalt
Die Synagoge, die du heute siehst, ist nicht die, in der Jesus lehrte.6 Sie ist aus weißem Kalkstein gebaut, die Häuser des Ortes dagegen aus dunklem Basalt; die Blöcke wogen bis zu vier Tonnen und kamen aus Steinbrüchen mehrere Kilometer entfernt.26 Die Kustodie nennt sie die prächtigste bisher in Galiläa gefundene Synagoge; ihr Gebetssaal ist nach Süden, auf Jerusalem, ausgerichtet.3
Ihr Alter geben die Quellen verschieden an. Heinrich Kohl und Carl Watzinger datierten die Ruinen nach ihren Grabungen ab 1905 um das Jahr 200, Corbo und Loffreda nach Münzen und Scherben ins späte 4. Jahrhundert.2 Die Kustodie ordnet den Bau heute dem 5. Jahrhundert zu; nach den Münzen unter dem Fußboden wurde er im letzten Viertel dieses Jahrhunderts fertig.3
Wichtiger für die Evangelien ist, was darunter liegt: Unter dem Mittelschiff fanden die Franziskaner ein breites Basaltpflaster aus dem 1. Jahrhundert. Es ist so groß, dass es zu einem öffentlichen Gebäude gehört haben muss, vielleicht zur Synagoge des Hauptmanns.32 Die Fundamente sind Mauern aus behauenen Basaltblöcken, außen sichtbar und anders ausgerichtet als der Kalksteinbau; Corbo hielt sie für einen Teil des Baus aus dem 1. Jahrhundert, Loffreda für eine Zwischenstufe.3
Alltag im Fischerort: Häuser, Boote, Zoll
Die Häuser waren aus Basaltsteinen gebaut, mit Lehm verfugt, und hatten Steinfußböden. Mehrere Familien einer Sippe teilten sich Räume um einen Hof mit Brotofen. Das Dach aus Balken und Laub mit gestampftem Lehm diente zum Schlafen in heißen Nächten und zum Trocknen von Netzen und Fischen.3 Ein solches Dach deckten die Träger des Gelähmten ab (Mk 2,4).1

Der Fischfang gehörte zu den einträglichsten Arbeiten. Simon und Andreas, Jakobus und Johannes waren Fischer; die Söhne des Zebedäus führten mit eigenen Booten und Helfern einen kleinen Betrieb. Dazu kamen Ackerbau, Mühlsteine aus Basalt und Pressen für Oliven und Trauben; auch Spuren des Hafens wurden gefunden.3 Mehr über die Fischer steht unter Alltag und Bräuche und bei Simon Petrus.

Kafarnaum lag an einem Zweig der Via Maris, der Handelsstraße von Ägypten nach Damaskus; davon zeugen die Zollstelle der Evangelien und ein Meilenstein mit dem Namen Kaiser Hadrians (117–138).3 Er wurde 1975 rund 100 Meter nordwestlich der Synagoge gefunden. Fünf Kilometer entfernt bildete der obere Jordan die Grenze zwischen den Gebieten des Herodes Antipas und seines Bruders Philippus.2 Hier stand eine römische Abteilung unter einem Hauptmann, und hier wurde die Tempelsteuer eingezogen (Mt 17,24).31 An der Zollstelle rief Jesus den Zöllner Levi (Mk 2,14); seine Geschichte erzählen wir bei Matthäus.
Kafarnaum heute
Ab dem 7. Jahrhundert verlor der Ort an Bedeutung.3 Heute empfangen die Franziskaner hier jeden Tag Pilger. Der Ostteil gehört dem griechisch-orthodoxen Patriarchat von Jerusalem; dort grub Vassilios Tzaferis von 1978 bis 1987 und fand eine rund 200 Meter lange Ufermauer und 282 Golddinare.2
| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| spätes 4. oder 5. Jh. | Bau der weißen Synagoge; die Datierung ist umstritten.23 |
| 13./14. Jh. | Der Ort wird verlassen, die letzten Fischer gehen spätestens im 14. Jahrhundert.3 |
| 1890–1894 | Bruder Giuseppe Baldi erwirbt das Gelände; nach acht Jahren Verhandlungen gehen am 19. September 1894 alle Rechtstitel auf die Kustodie über.3 |
| 1964 | Der heilige Paul VI., der erste Papst seit Petrus im Heiligen Land, kommt auf seiner Pilgerreise (4.–6. Januar) auch nach Kafarnaum.89 |
| 1968 | Am 16. April beginnen die Franziskaner neu zu graben und finden das Haus des Petrus.3 |
| 1990 | Am 29. Juni wird die Gedächtniskirche über dem Haus geweiht.3 |
| 2000 | Der heilige Johannes Paul II. besucht am 24. März das Haus des Petrus und die Synagoge.1011 |
Drei Feste feiern die Franziskaner hier: die Verheißung der Eucharistie am dritten Freitag der Osterzeit, den heiligen Petrus am 29. Juni und am zweiten Samstag im Oktober Kafarnaum als „Stadt Jesu“.3 Johannes Paul II. sah hier die Reste des Hauses Petri und der Synagoge, „wo Jesus sich als das Brot offenbarte, das vom Himmel herabkommt“.11 Die Funde der Franziskaner zeigt nur das Terra Sancta Museum der Kustodie in Jerusalem; auffallend viel römisches Tafelgeschirr (terra sigillata) kam hier zutage, im Heiligen Land ein Einzelfall.1213
Bibelstellen nach der Einheitsübersetzung 2016. Wo Archäologen deuten oder sich widersprechen, sagen wir es dazu; die Überlieferung der Kirche geben wir so wieder, wie die Kustodie des Heiligen Landes sie beschreibt.
Häufige Fragen
Warum nennt Matthäus Kafarnaum „seine Stadt“?
Weil Jesus Nazaret verließ und in Kafarnaum am See wohnte (Mt 4,13; Mt 9,1). Von hier aus wirkte er in Galiläa; er wohnte im Haus des Petrus.
Ist die Synagoge in Kafarnaum die, in der Jesus lehrte?
Nein. Der weiße Kalksteinbau stammt aus dem späten 4. oder dem 5. Jahrhundert. Unter ihm fanden die Franziskaner ein Basaltpflaster aus dem 1. Jahrhundert, vielleicht von der Synagoge zur Zeit Jesu.
Wie wurde das Haus des Petrus gefunden?
1968 gruben die Franziskaner Corbo und Loffreda unter einer achteckigen Kirche aus dem 5. Jahrhundert. Darunter lag ein Haus, dessen Raum schon Ende des 1. Jahrhunderts als Hauskirche diente; Pilger ritzten den Namen Jesu in den Putz.
Was steht heute in Kafarnaum?
Die Ruinen mit der weißen Synagoge und die Gedächtniskirche über dem Haus des Petrus, geweiht am 29. Juni 1990. Zwei Drittel des Geländes gehören der Kustodie des Heiligen Landes, der Ostteil dem griechisch-orthodoxen Patriarchat.
Quellen
- Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart: Bibelstellen und Namen nach dieser Ausgabe (geprüft 22.10.2026)
- Francesco Patton OFM: Following in Jesus’ Footsteps: Capernaum, the Town of Jesus, Vatican News, 07.08.2026 (nach S. Loffreda OFM, Cafarnao, Jerusalem 1995) (geprüft 22.10.2026)
- Custodia Terrae Sanctae (Kustodie des Heiligen Landes): Capernaum (Heiligtum: Geschichte, Archäologie, Besuch, Feste) (geprüft 22.10.2026)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1338–1339, vatican.va (geprüft 22.10.2026)
- Siméon Vailhé: Capharnaum, The Catholic Encyclopedia, Bd. 3, 1908 (geprüft 22.10.2026)
- Opus Dei: Kafarnaum, die Stadt Jesu (Spuren unseres Glaubens. Wege durch das Heilige Land), 18.01.2014 (geprüft 22.10.2026)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1386, vatican.va (geprüft 22.10.2026)
- Radio Vatikan: Paul VI in the Holy Land: a sound picture of the first ‘pilgrim pope’, 25.05.2014 (geprüft 22.10.2026)
- Diözese Triest: Il pellegrinaggio di Paolo VI in Terra Santa, un evento di portata storica (Nachdruck aus Vatican Insider, 10.01.2019), PDF (geprüft 22.10.2026)
- Vatican Information Service (VIS): Programm vom 24.03.2000 (Tabgha und Kafarnaum), über katolsk.no (Katholische Kirche in Norwegen) (geprüft 22.10.2026)
- Johannes Paul II.: Generalaudienz vom 29.03.2000 (Rückblick auf die Pilgerreise ins Heilige Land), vatican.va (geprüft 22.10.2026)
- Terra Sancta Museum (Kustodie): The new Saller wing at the Museum of the Flagellation (Gespräch mit der Kuratorin Daniela Massara), 11.07.2022 (geprüft 22.10.2026)
- Terra Sancta Museum (Kustodie): Visiting the Terra Sancta Museum … the archaeological collections of the Studium Biblicum Franciscanum (Daniela Massara), 08.05.2021 (geprüft 22.10.2026)
Zahlen und Daten aus den genannten Quellen; die Summe der Grabungskampagnen ist berechnet. Fehler gefunden? Schreib uns an hallo@bibelhinterderserie.de.