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Alle vier Evangelien nennen Maria Magdalena beim Namen.12 Sie folgte Jesus von Galiläa bis nach Jerusalem, stand unter dem Kreuz und war am Ostermorgen die Erste, die den Auferstandenen sah. Hier liest du, was die Evangelien über sie berichten, warum die Kirche sie „Apostelin der Apostel“ nennt und was Archäologen in ihrer Heimatstadt Magdala gefunden haben.
Inhalt
Was die Evangelien über sie berichten
Lukas stellt sie vor: Jesus zieht durch Städte und Dörfer, mit ihm die Zwölf und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren, darunter „Maria, genannt Magdalena, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren“ (Lk 8,2). Neben ihr nennt er Johanna und Susanna; die Frauen unterstützten Jesus und die Jünger mit ihrem Vermögen. Das Schott-Messbuch zählt sie „mit Sicherheit zum Kreis der Jünger, zu den Zeugen aus Galiläa“.4 Papst Franziskus sagt es knapp: Bevor sie Jesus begegnete, war sie in der Gewalt des Bösen.9 Mehr erzählen die Evangelien über diese Befreiung nicht; außer Lukas erwähnt sie nur der Markusschluss (Mk 16,9).1
Wieder genannt wird sie in Jerusalem. Mit anderen Frauen sieht sie die Kreuzigung von Weitem (Mt 27,55–56; Mk 15,40–41); Johannes nennt sie mit der Mutter Jesu unter denen, die beim Kreuz standen (Joh 19,25). Danach sieht sie, wo Jesus begraben wird (Mt 27,61; Mk 15,47).1 Johannes Paul II. schrieb, in dieser härtesten Prüfung des Glaubens hätten sich die Frauen als stärker erwiesen als die Jünger; von den Aposteln sei nur Johannes treu geblieben.10
Mit ihrem Beinamen wird sie zwölfmal genannt: dreimal bei Matthäus, viermal bei Markus, zweimal bei Lukas und dreimal bei Johannes. Die Einheitsübersetzung schreibt dabei meist „Maria aus Magdala“ oder „Maria von Magdala“; „Magdalena“ steht nur in Lk 8,2. In Joh 20,11 und 20,16 heißt sie einfach „Maria“.12
| Was geschieht | Mt | Mk | Lk | Joh |
|---|---|---|---|---|
| In Galiläa: von sieben Dämonen befreit, begleitet Jesus | 27,55 (Frauen aus Galiläa) | 15,41 (Frauen aus Galiläa); 16,9 | 8,1–3 | – |
| Unter dem Kreuz | 27,55–56 | 15,40–41 | 23,49 (Frauen aus Galiläa, ohne Namen) | 19,25 |
| Beim Begräbnis | 27,61 | 15,47 | 23,55 (ohne Namen) | – |
| Am leeren Grab | 28,1–8 | 16,1–8 | 24,1–10 | 20,1–2 |
| Begegnung mit dem Auferstandenen | 28,9–10 (mit der anderen Maria) | 16,9 | – | 20,11–17 |
| Botschaft an die Jünger | 28,8 | 16,10 | 24,9–10 | 20,18 |
| Mit Beinamen genannt | 3× (27,56; 27,61; 28,1) | 4× (15,40; 15,47; 16,1; 16,9) | 2× (8,2; 24,10) | 3× (19,25; 20,1; 20,18) |
Der Ostermorgen: die erste Zeugin
Nach dem Sabbat kaufen die Frauen wohlriechende Öle, um Jesus zu salben (Mk 16,1).1 Johannes erzählt, wie Maria von Magdala frühmorgens, „als es noch dunkel war“, zum Grab kommt, den Stein weggenommen sieht und zu Simon Petrus und dem anderen Jünger läuft (Joh 20,1–2).11 Ihre erste Nachricht, bemerkt Papst Franziskus, war nicht die Auferstehung, sondern die Vermutung, jemand habe den Leichnam weggenommen.9
Dann bleibt sie weinend am Grab. Sie hält den Auferstandenen für den Gärtner und erkennt ihn erst, als er sie beim Namen ruft: „Maria!“ Sie antwortet „Rabbúni!“, das heißt Meister. Jesus schickt sie zu seinen Brüdern, und sie verkündet den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen.“ (Joh 20,11–18)11
Auch Matthäus erzählt, dass Jesus ihr und der anderen Maria begegnet (Mt 28,1.9–10), und der Markusschluss sagt, er sei zuerst Maria aus Magdala erschienen (Mk 16,9).1 Diesen Schluss (Mk 16,9–20) hat das Konzil von Trient als kanonischen Teil des Evangeliums bestimmt.12 Der Katechismus fasst zusammen: Maria von Magdala und die heiligen Frauen begegneten als Erste dem Auferstandenen. „So waren Frauen selbst für die Apostel die ersten Botinnen der Auferstehung Christi.“5
„Apostelin der Apostel“: Titel und Fest
Weil sie den Aposteln verkündete, was diese dann der ganzen Welt verkündeten, nannten Rabanus Maurus und Thomas von Aquin sie „apostolorum apostola“, Apostelin der Apostel.7 Das Schott-Messbuch führt den Ehrentitel schon auf Hippolyt von Rom im 3. Jahrhundert zurück.11 Johannes Paul II. griff ihn 1988 auf: Maria aus Magdala war früher als die Apostel Augenzeugin des Auferstandenen und gab deshalb als Erste vor ihnen Zeugnis.10
Mit einem Dekret vom 3. Juni 2016, dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, legte die Kongregation für den Gottesdienst fest: Auf Beschluss von Papst Franziskus steht die heilige Maria Magdalena im Römischen Generalkalender nicht mehr im Rang eines Gedenktages, sondern eines Festes; der Tag bleibt der 22. Juli.6 Veröffentlicht wurde das Dekret am 10. Juni 2016, mit einer eigenen Präfation „de apostolorum apostola“.13
Der Sekretär der Kongregation, Erzbischof Arthur Roche, erklärte in einem Begleitartikel, es sei richtig, dass ihre Feier denselben Rang erhalte wie die Feste der Apostel. Er erinnerte an ein Wort Gregors des Großen: Im Paradies reichte eine Frau dem Mann den Tod, vom Grab aus verkündet eine Frau den Männern das Leben.7 Papst Franziskus nannte sie 2017 die „Apostelin der neuen und größten Hoffnung“.9
Im Westen und im Osten verehrt
Das Dekret von 2016 beginnt mit der Erinnerung, dass die Kirche im Westen und im Osten Maria Magdalena immer mit höchster Ehrfurcht geachtet hat, wenn auch auf verschiedene Weise.6 Die Überlieferung des Westens sah in ihr, vor allem seit Gregor dem Großen, auch die Frau, die im Haus des Pharisäers Simon Jesus mit wohlriechendem Öl die Füße salbte (Lk 7,36–50), und Maria von Betanien, die Schwester von Marta und Lazarus. Diese Deutung prägte nach Erzbischof Roche Kirchenschriftsteller, christliche Kunst und liturgische Texte.7 Die griechischen Kirchenväter sahen in ihnen im Allgemeinen drei Frauen.2
Die Bollandisten untersuchten die Frage ausführlich und bereiteten so die liturgische Reform des Römischen Kalenders vor; seither beziehen sich die Texte des Messbuchs, des Stundengebets und des Martyrologiums auf Maria von Magdala.7 Den neuen Generalkalender approbierte Paul VI. am 14. Februar 1969; er galt ab dem 1. Januar 1970.14 Sicher ist nach Roche, was die Evangelien sagen: Sie gehörte zu den Jüngerinnen Jesu, stand unter dem Kreuz und war im Garten am Grab die erste „Zeugin der göttlichen Barmherzigkeit“, wie Gregor der Große sie nannte.76
Magdala: die Stadt der Fische
Der Beiname „Magdalena“ verweist auf Magdala, hebräisch Migdal, „Turm“.15 Der Ort liegt am Westufer des Sees von Galiläa, rund 6 Kilometer nördlich von Tiberias, und heißt heute wieder Migdal. Schon in hellenistischer und römischer Zeit war er eine blühende Stadt, bekannt für das Verarbeiten und Einsalzen von Fisch; antike Quellen nennen ihn deshalb Tarichea, nach dem griechischen tarichos, „gesalzener Fisch“.3 Der Talmud spricht von „Magdala der Fische“.15

Im Jüdischen Krieg (66–70) wurde Magdala zerstört und nicht wieder aufgebaut.3 Die christliche Überlieferung sah hier ihre Heimat: Schon im 4. Jahrhundert soll es eine Kirche zu ihrem Gedächtnis gegeben haben, im 10. Jahrhundert zeigte man Pilgern ihre Kirche und ihr Haus.15 Wie die Fischer am See arbeiteten, steht in Fischerei am See.
Was seit 2009 in Magdala gefunden wurde
2004 erwarb der mexikanische Priester Juan Solana von den Legionären Christi Land am Seeufer, um ein Pilgerzentrum zu bauen. Als 2009 die Arbeiten begannen, stießen Archäologen der israelischen Altertumsbehörde auf Reste einer Stadt aus dem 1. Jahrhundert.168 Die Synagoge, die sie freilegten, nennt die Kustodie eine der ältesten Galiläas, mit einem wertvollen Mosaikboden3; die Betreiber des Parks nennen sie die älteste bisher in Galiläa gefundene. Münzen darin stammen aus den Jahren 5 bis 63 n. Chr.178
Am bekanntesten ist der Magdala-Stein: ein Kalksteinblock, auf vier Seiten und oben mit Reliefs verziert, darunter ein siebenarmiger Leuchter. Er stand in der Mitte der Synagoge und diente vielleicht als Tisch, auf dem man die Tora las.8 Die Kustodie deutet das Relief als sinnbildliche Darstellung des Tempels in Jerusalem.3 Nach dem katholischen Portal Crux ist es die erste solche Darstellung der Menora aus einer Synagoge, die noch zur Zeit des Tempels bestand.18 2017 verließ der Stein zum ersten Mal Israel, für eine gemeinsame Ausstellung der Vatikanischen Museen und des Jüdischen Museums in Rom.8

- Rund um die Synagoge: Häuser, gepflasterte Straßen, Lagerhäuser, Becken zur Verarbeitung von Fisch und ein Hafen3, dazu Ritualbäder.18
- Markt und Kai: eine Marktstraße mit Läden, ein großes Lagerhaus an einem Steinkai, der heute auf trockenem Land liegt, und Villen mit Mosaikböden.17
- Eine zweite Synagoge: 2021 kam weniger als 200 Meter entfernt eine zweite Synagoge aus derselben Zeit ans Licht; zum ersten Mal fanden Archäologen in einem Ort aus der Zeit des Zweiten Tempels zwei Synagogen.18
- Grabung der Franziskaner: Auf ihrem eigenen Teil des Geländes graben die Franziskaner; dort arbeitete P. Stanislao Loffreda OFM vom Studium Biblicum Franciscanum.1920
Neben dem Park steht die Kirche Duc in Altum („Fahr hinaus ins Tiefe“, Lk 5,4). Ihr Atrium ehrt die Frauen des Evangeliums, der Boden der unteren Kapelle ist der Markt des Hafens aus dem 1. Jahrhundert.21
| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| 66–70 | Magdala wird im Jüdischen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.3 |
| 590–604 | Pontifikat Gregors des Großen; er nennt Maria Magdalena „Zeugin der göttlichen Barmherzigkeit“.226 |
| 13. Jh. | Thomas von Aquin († 1274) nennt sie „Apostelin der Apostel“.236 |
| 1969 | Paul VI. approbiert am 14. Februar den neuen Römischen Generalkalender; mit der Reform beziehen sich die liturgischen Texte auf Maria von Magdala.147 |
| 2009 | Beim Bau eines katholischen Pilgerzentrums kommen eine Synagoge aus dem 1. Jahrhundert und der Magdala-Stein ans Licht.83 |
| 2014 | Papst Franziskus segnet am 26. Mai den Tabernakel der Kirche Duc in Altum.21 |
| 2016 | Dekret vom 3. Juni: Der 22. Juli wird ein Fest.613 |
| 2017 | Katechese „Apostelin der Hoffnung“; der Magdala-Stein ist in Rom zu sehen, zum ersten Mal außerhalb Israels.98 |
Kurz zusammengefasst findest du sie auf unserer Seite Personen, Magdala auf der Karte der Orte. In welchen Folgen von „The Chosen“ sie vorkommt und welche Bibelstellen dahinter stehen, zeigt die Folgenübersicht.
Bibelstellen nach der Einheitsübersetzung 2016, wörtliche Bibelzitate nach dem Schott-Messbuch. Was aus der Überlieferung kommt und nicht in den Evangelien steht, sagen wir dazu; Deutungen von Archäologen geben wir als Deutungen wieder.
Häufige Fragen
Woher stammt Maria Magdalena?
Ihr Beiname verweist auf Magdala am Westufer des Sees von Galiläa, rund 6 Kilometer nördlich von Tiberias. Der Ort war für das Einsalzen von Fisch bekannt und wurde im Jüdischen Krieg (66–70) zerstört.
Warum heißt Maria Magdalena „Apostelin der Apostel“?
Weil sie als Erste dem Auferstandenen begegnete und den Jüngern verkündete: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Joh 20,18). So nannten sie Rabanus Maurus und Thomas von Aquin; das Schott-Messbuch führt den Titel schon auf Hippolyt von Rom zurück.
Ist Maria Magdalena die Frau aus Lukas 7?
Lukas nennt die Frau, die Jesus im Haus des Pharisäers die Füße salbt, nicht beim Namen (Lk 7,36–50) und stellt Maria Magdalena in Lk 8,2 vor. Die Überlieferung des Westens sah vor allem seit Gregor dem Großen in beiden dieselbe Frau; seit der Reform des Römischen Kalenders beziehen sich die liturgischen Texte auf Maria von Magdala.
Wann feiert die Kirche Maria Magdalena?
Am 22. Juli. Seit einem Dekret vom 3. Juni 2016 ist der Tag im Römischen Generalkalender ein Fest, wie bei den Aposteln, mit einer eigenen Präfation.
Quellen
- Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart: Bibelstellen und Namen nach dieser Ausgabe (Wortlaut geprüft an den Lesungen im Schott-Messbuch) (geprüft 22.10.2026)
- Hugh Pope OP: St. Mary Magdalen, The Catholic Encyclopedia, Bd. 9, 1910 (geprüft 22.10.2026)
- Custodia Terrae Sanctae (Kustodie des Heiligen Landes): Magdala (Wallfahrtsort, Geschichte, Ausgrabungen), englisch (geprüft 22.10.2026)
- Schott-Messbuch (Erzabtei Beuron, Deutsches Liturgisches Institut): Freitag der 24. Woche im Jahreskreis, Evangelium Lk 8,1–3 mit Einführung (Text der Einheitsübersetzung) (geprüft 22.10.2026)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 641, vatican.va (geprüft 22.10.2026)
- Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Dekret über die Feier der heiligen Maria Magdalena, Prot. N. 257/16, 3. Juni 2016, vatican.va (PDF) (geprüft 22.10.2026)
- Erzbischof Arthur Roche, Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: „Apostolorum Apostola“, Juni 2016, vatican.va (PDF) (geprüft 22.10.2026)
- CNA/EWTN News: Menorah exhibit in Rome underlines positive Catholic-Jewish relations, 18.05.2017, über Catholic World Report (geprüft 22.10.2026)
- Papst Franziskus: Generalaudienz vom 17. Mai 2017, Maria Magdalena, Apostelin der Hoffnung, vatican.va (geprüft 22.10.2026)
- Johannes Paul II.: Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem, 15. August 1988, Nr. 15–16, vatican.va (geprüft 22.10.2026)
- Schott-Messbuch: 22. Juli, Hl. Maria Magdalena, Fest; Einführung und Evangelium Joh 20,1–2.11–18 (Text der Einheitsübersetzung) (geprüft 22.10.2026)
- New American Bible, Revised Edition (USCCB): Markus 16, Anmerkung zu Mk 16,9–20 (englisch) (geprüft 22.10.2026)
- Presseamt des Heiligen Stuhls: The liturgical memory of Mary Magdalene becomes a feast, like that of the other apostles, Bulletin vom 10. Juni 2016 (englisch, mit lateinischem Text der Präfation) (geprüft 22.10.2026)
- Paul VI.: Motu proprio Mysterii paschalis über das Kirchenjahr und den neuen Römischen Generalkalender, 14. Februar 1969, vatican.va (englische Fassung) (geprüft 22.10.2026)
- August Merk: Magdala, The Catholic Encyclopedia, Bd. 9, 1910 (geprüft 22.10.2026)
- Abouna (Katholisches Zentrum für Studien und Medien, Amman): A stroll in the city of La Maddalena as it was in the time of Jesus, 12.06.2014 (nach Vatican Insider) (geprüft 22.10.2026)
- Magdala (New Gate to Peace Foundation, katholisches Zentrum der Legionäre Christi): Archeological Park (geprüft 22.10.2026)
- Charles Collins: Synagogue where Mary Magdalene may have worshipped discovered in Israel, Crux, 15.12.2021 (geprüft 22.10.2026)
- P. Cristobal Vilaroig LC: Magdala, a city to be discovered, Magdala Journal, 20.08.2024 (geprüft 22.10.2026)
- Custodia Terrae Sanctae: Nachruf auf P. Stanislao Loffreda OFM, 10.08.2025 (englisch) (geprüft 22.10.2026)
- Magdala: Duc In Altum (Kirche und Kapellen) (geprüft 22.10.2026)
- Catholic Encyclopedia: Pope St. Gregory I („the Great“), Bd. 6, 1909 (geprüft 22.10.2026)
- Catholic Encyclopedia: St. Thomas Aquinas, Bd. 14, 1912 (geprüft 22.10.2026)
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